AHF

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Humboldtforum,
Berlin
2009

Seit Anfang der neunziger Jahre, erst recht seit dem Beschluss zum Abriss des Palastes der Republik, war die Mitte der Mitte Berlins wieder und wieder Objekt von Debatten und Projekten. Gegen die von offizieller Seite favorisierte Rekonstruktion der Berliner Residenz der preußischen Könige unternahmen viele Architekten den Versuch, ihrer Meinung nach bessere – das heißt einerseits aus dem Hier und Jetzt stammende, anderseits dem »genius loci« gerecht werdende – Lösungen ins Spiel zu bringen.

Der Entwurf umfasst 5 einzelne Gebäude, die sich, allein durch die Fluchten und die Brücken vom einen zum andern Bau, erkennbar zu einem Ensemble gruppieren. Während sich die differenten kulturellen Funktionen des Humboldtforums – Museum, Bibliothek, Konferenz et cetera – sinnfällig auf die Gebäude verteilen, verstärken sich die räumlichen Bezüge zur näheren Umgebung mittels zweier Gassen, die quer und längs durch den Komplex führen. So bleiben das Alte Museum im Nordwesten und die Breite Straße im Südosten, der Spreekanal im Südwesten und die Spree im Nordosten aufgrund des kleinen Platzes an der Kreuzung der beiden Wege stets im Blick.

Die barocke Residenz der Hohenzollern hatte, durch die nach Westen schauende vordere und die nach Osten schauende hintere Seite, die weitere räumliche Entwicklung von Berlin in solcher Weise bestimmt, dass seine östlichen gegenüber seinen westlichen Quartieren ins Hintertreffen gerieten. Auf dieses Manko, das Urbanisten wie Martin Wagner und Adolf Behne schon in den Jahren der Weimarer Republik kritisierten, weiß der Entwurf eine klare Antwort zu geben.

Während zahlreiche andere Vorschläge für die Bebauung des Geländes die Masse und den Umriss des alten Schlosses respektieren, ja repetieren, nimmt dieser Entwurf den Körper zurück, macht den Lustgarten vor dem Alten Museum größer und massiert den Komplex des Humboldtforums im Fluchtpunkt des Boulevards Unter den Linden und der Schlossbrücke. Hier steigt der Neubau auf eine Höhe von 9 je 7 Meter hohen Geschossen, die aus der Ferne wirken, als rühre ihre Gestalt aus dem Schichten und Schieben dicker Scheiben aus Glas. Vor dem Auge flirrt eine zugleich romantische und kristalline Architektur.

Was der Entwurf ändert – das Spiel von Leer und Voll, von Raum und Bau, von Textur und Objekt –, hat für das Zentrum Berlins schöne Folgen. Die Achse Unter den Linden führt nun auf einen »point de vue«. Doch will dieser Ort den Raum nicht allein schließen, sondern auch öffnen. Hier nämlich fängt an: das Erkunden der östlichen Quartiere, denen das Schloss nur den Rücken gekehrt hatte.

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